Seit 12 Jahren bin ich nun schon Personal Trainer, habe mit meinen Kunden Ziele erreicht und Wünsche zu Taten werden lassen und trotzdem ist es jeden Tag ein Kampf ums wirtschaftliche Überleben.
"Was ist ein Personal Trainer und warum brauche ich einen wenn ich doch an jeder Ecke auch schon um 19,90€ / Monat trainieren kann?"
Wie oft ich doch diese Frage beantworten musste und immer noch muss ist verblüffend.

Trainer ist nicht gleich Trainer obwohl das für die Allgemeinheit leider immer noch so scheint. Doch wir können viel mehr als nur beim Gewichte schupfen helfen, von eins bis acht zählen oder gut aussehen in unseren engen Trainingsshirts. 

Leider wird der "Abnehmpille" immer noch mehr Vertrauen geschenkt als einem Fachmann der Fitness- und Gesundheitsbranche. Zum Glück rücken die Vorzüge eines gut ausgebildeten Personal Trainers langsam aber stetig durch die Medien in den Vordergrund und dadurch in die Köpfe der Allgemeinheit. 

Ich möchte Euch hier einen sehr guten Text einer deutschen Zeitung vorstellen warum die Wirtschaftsführung in Deutschland nicht auf Ihre Personal Trainer verzichten kann und weshalb dieser Beruf vielleicht schon bald zu den lukrativsten des Landes gehört.


Ein Text in der FAZ von Georg Meck und Bettina Weiguny.


"Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat einen, Verleger Hubert Burda ebenso, Promi-Koch Alfons Schuhbeck trifft sich mit ihm spätnachts, wenn er sein Lokal zusperrt: Deutschlands Unternehmer und Manager haben den Personal Trainer für sich entdeckt.

Der eigene Fitness-Coach, gebucht für exklusive Sportstunden, entwirft ihnen einen Trainings-, Bewegungs- und Ernährungsplan, begleitet sie in den Kraftraum, liegt mit ihnen auf der Yogamatte, läuft nachts mit ihnen durch den Wald – und verändert so den Lebensstil der Wirtschaftselite.

Als rhetorische Figur taucht der Personal Trainer schon im Small Talk unter Managern auf, ob das Gespräch sich nun um Nullzins, Wetter oder Griechen dreht. „Mein Personal Trainer sagt...“, „Mein Personal Trainer meint...“. So reden Frankfurts Banker, so sprechen die Kapitäne der deutschen Industrie, gerade so, als hätte sich die Gruppe die exklusiven Leibesübungen zur Pflicht gemacht: Nie ohne meinen Personal Trainer. „Unfassbar, wie oft Kollegen neuerdings von ihrem persönlichen Fitness-Coach erzählen“, lästert ein Vorstand aus der Autoindustrie, den ein schlechtes Gewissen plagt, weil er auf dem Feld nichts zu bieten hat, außer dem zeitweiligen Physiotherapeuten, „und das auch nur, weil ich am Knie verletzt war“.

Im Showbetrieb schon lange gang und gäbe

Die Liebe zum Trainer bettet sich in ein größeres Phänomen: „Achtsamkeit“ heißt das Gebot der Stunde, man achtet auf Körper und Geist, um die eigene Leistung zu optimieren. Das Konzept verliert jeden Anschein von Esoterik, wenn es Manager, diese Effizienzbestien, anfassen.

Selbst knochentrockene Automanager (wie BMW-Chef Reithofer) und Energiekonzernlenker (RWE-CEO Terium) meditieren heute regelmäßig – und reden auch noch offen darüber. Man ernährt sich bewusst, verzichtet auf Alkohol wie Nachtisch. Eines ist offensichtlich: Die Bosse mit den dicken Zigarren und den dicken Bäuchen, wie wir sie von den schwarzweißen Wirtschaftswunderfotos kennen, sind aus den Chefetagen verschwunden. Stattdessen lassen sie sich in Konzernzentralen Fitnessstudios einbauen, mit bodentiefen Fenstern, damit jeder sehen kann, was Sache ist. Hardcore-Typen halten gar Meetings im Laufen ab, mit ihren nebenhertrabenden Bodyguards. Die heutige Generation an Unternehmensführern hält sich fit, am liebsten angeleitet von Profis.

Hollywood-Stars und sonstige Spitzen des Showbetriebs leisten sich den eigenen Personal Trainer schon lange. Und was Madonna und Barack Obama in Amerika recht ist, setzt sich nun auch hierzulande durch: Gewöhnliche Manager, Anwälte und Berater gönnen sich ihren Fitness-Coach. „War gestern der überstandene Marathon das sportliche Statussymbol“, sagt ein Unternehmensberater, „dann ist das heute der eigene Personal Trainer.“ Man turnt nicht im Sportverein, nicht im Fitnessclub, sondern individuell. Hinterher tauscht man sich darüber aus, vergleicht Aufwand und Ertrag, Blutwerte und sonstige Kennzahlen, wie im Konzernalltag eingeübt.

Kosten zwischen 50 und 150 Euro die Stunde

Die Kosten für die Fitness sind überschaubar aus Sicht dieser wohlbestallten Klientel: Der Trainer kostet zwischen 50 und 150 Euro je Stunde. Anfänger sind billiger, Sportstudenten bieten ihre Dienste bereits für 20 Euro an, richten sich aber an eine andere Kundschaft. „Was nichts kostet, ist in den Augen der Wirtschaftsleute nichts wert“, sagt Personal Trainer Jörn Giersberg, 45.

120 Euro die Stunde verlangt der drahtige Typ im Kapuzenpulli, ein ausgebildeter Grundschullehrer und diplomierter Sportwissenschaftler. Sein Handwerk, wenn man so sagen darf, hat er vor 20Jahren in Venice Beach, dem Strand von Los Angeles, verfeinert, „der Hochburg des Körperkults, in Deutschland war das Geschäft damals noch nicht so in Fahrt“.

Zurück in Köln, hat Giersberg seinen Einstieg als Trainer über Models und prominente TV-Frauen gefunden, manche von denen vertrauen ihm bis heute. 15.000 Trainer-Stunden hat er inzwischen auf dem Buckel, der Anteil der Manager in der Kundschaft steigt stetig: „Alle Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, auch die in der Wirtschaft, spüren den Druck, gut auszusehen: Am Ende will jeder eine vernünftige Figur haben.“

Jörn Giersberg arbeitet mit seinen Kunden hauptsächlich mit Hanteln im Kraftraum („Fürs Rumhopsen im Wald ist mein Stundensatz zu hoch“) und nebenher im Vorstand des Verbandes der Personal Trainer. Da geht es zuvörderst darum, gewisse Standards und ein angemessenes Honorar in der sich professionalisierenden Branche durchzusetzen: „Alles unter 75 Euro die Stunde ist Dumping.“

Beruf mit lukrativen Zukunftsaussichten

Der Beruf des Personal Trainers ist nicht geschützt, jeder oder jede darf sich so nennen. Eine Zulassungsprüfung gibt es nicht, entsprechend fächert sich das Angebot auf: vom Ex-Leistungssportler mit Olympiamedaillen bis zum abgebrochenen Sportstudenten, vom doppelt-promovierten Mental- und Irgendwas-Coach bis zur Aushilfskraft im Fitness-Center, die sich etwas dazu verdient. Eines ist gewiss: Das Gewerbe blüht, die Aussichten sind pumperlgesund.

Mögen Roboter nach und nach die menschliche Arbeitskraft ersetzen, Fabriken komplett nach Asien ziehen, die Digitalisierung ganzen Branchen den Garaus machen: Der Personal Trainer bleibt, so viel ist sicher. Die Experten von Manpower, immerhin einer der größten Arbeitsvermittler der Welt, haben gar prophezeit, bis zum Jahr 2020 werde der Personal Trainer der bestbezahlte Beruf überhaupt.

Mehr als 700 offizielle Mitglieder hat der junge Verband in Deutschland heute, nur ein Teil der Trainer freilich ist registriert. Allein in Stuttgart, einem Ballungsraum für Mittelständler und Automanager, versuchen 150 Personal Trainer ihr Glück, die Zahl hat sich binnen weniger Jahre verdoppelt, der Anteil der Akademiker darunter ist erstaunlich. Gefragt von der Manager-Klientel ist nicht der Muskelmann mit Aufputschmitteln im Gepäck, sondern der smarte Motivator, am besten wissenschaftlich ausgebildet und bewandert in den neuesten Trends fleischloser Ernährung und Burn-out-Prophylaxe. Deswegen suchen Führungsleute Trainer wie Daniel Holzinger in Stuttgart. „Ich habe promoviert, um diese Karte spielen zu können, das ist mein Pfund“, sagt der Schwabe, ein ehemaliger Deutscher Jugendmeister im 800-Meter-Lauf, Sportwissenschaftler mit Doktortitel der Humanbiologie, außerdem ausgebildet zum Coach in Kognitiver Verhaltenstherapie. Zum Mediziner fehlt nur der weiße Kittel. Im Angebot hat er Coaching, Diagnostik, Motivation, abgerechnet wird nach Art der Leistung: Für die psychologische Beratung nimmt Holzinger 250 Euro netto die Stunde, für das gewöhnliche Training 150 Euro.

Ein Dienstleister mehr

Zu seinen Kunden zählen der ehemalige Profi-Kicker Thomas Hitzlsperger, dazu jede Menge gestandene Mittelständler, Autoleute, Werber, IT-Unternehmer. „Ich hatte mir als Personal Coach einen aufgeblasenen Gorilla vorgestellt, nicht einen coolen Kumpeltypen mit Promotion“, lobt ihn ein Internetpionier, der körperliche Fitness zur „Voraussetzung für geistige Leistung“ erklärt.

Der exklusive Fitness-Coach ist für die Manager ein Dienstleister mehr, an den sie Aufgaben delegieren: Das Klein-Klein zu Hause regelt die Haushaltshilfe, Kniffligeres der Anwalt. Für das eigene Image halten sie sich einen PR-Berater – und für die Gesundheit nun eben einen Personal Trainer, an den wird die Kontrolle über den eigenen Körper outgesourct.

Der Coach motiviert, aufzustehen, Sport zu treiben – und ist darin unerbittlich. „In einer Schule ohne Lehrer macht auch keiner Hausaufgaben“, sagt Trainer Daniel Holzinger, die persönliche Beziehung zwischen Manager und Trainer sei das A und O. Fließt erst mal der Schweiß, dann öffnet sich das Herz, dann erzählen die Alphatiere von ihren Zweifeln und Problemen: „Wenn sie körperlich an Grenzen stoßen, dann fällt die Barriere, dann reden sie wie sonst nie, geben auch mal zu: Ich kann nicht mehr.“

Maximale Ergebnisse mit minimalem Aufwand

Von ihm und seinesgleichen verlangt der Manager als Kunde klare Kommandos: Das erwartet er im Beruf von sich, das erwartet er von anderen. Den keuchenden CEO anzubrüllen schickt sich nicht, noch weniger mag der Klient langatmige Diskussion. Das braucht ein Manager nach Feierabend nun gar nicht, glaubt Coach Giersberg: „Die wollen nicht Trainingsmethoden erörtern, sondern kompetente Ansagen.“ Zehn Intervalle Seilspringen, in den Pausen Liegestütze, etwa in der Art.

Wie im gesamten Managerleben, so geht es in der körperlichen Ertüchtigung um Ziele, Effizienz, Kontrolle. So und so viele Kilo müssen runter? Dann wird daran gearbeitet. Der Kunde will Resultate sehen, am liebsten „maximales Ergebnis bei minimalem Zeitaufwand“, wie Lufthansa-Sales-Managerin Claudia W. auf der Fanseite ihres Trainers postet, der die „sportlich-sichtliche Veränderung“ ihres Körpers bewerkstelligt hat: „Danke, Dennis!“

Gute Personal Trainer sind wie gute Freunde, berichten Topmanager. Manchmal entwickelt sich daraus sogar mehr. In mindestens einem Fall wurde die persönliche Fitnesstrainerin später zur Gattin des Konzernchefs. Der Name ist der Redaktion bekannt. Aber das ist eine andere Geschichte."


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